Das rote Tor

Ein Erlebnisweg besonderer Art

Die Frutz ist ein Wildbach und führt Wasser durch das Laternsertal bis zum Rhein. Das rd. 55 km² große Einzugsgebiet liefert Wasser aus den Bergen, vom Walserkamm über die Furka bis zur Nob, vor allem bei heftigen Regenfällen, aber auch bei der Schneeschmelze.


Seit altersher wurde die Frutz zur Flözerei benützt, um Holz aus unzugänglichen, aber waldreichen Gebieten ins Tal und damit zur Verwertung zu bringen. Wenn man weiß, daß die Flözerei zur Beförderung des Holzes eine Wassermenge von 30 bis 40 Kubikmeter/sec benötigt, kann man ermessen, welche Wassermassen die Frutz führen kann und dann zum reißenden Wildbach wird. So wurden früher von den über 20 km des Bachlaufes über 15 km für die Flözerei genutzt.

Bevor sie ins Tal kommt, tritt die Frutz in die "Übleschlucht" ein, eine schmale Klamm von wild-romantischer Schönheit, die durch einen Steig sowohl von Rankweil als auch von Laterns aus erschlossen ist.


Am Ausgang der "Übleschlucht" befindet sich das "Rote Tor", oder auch das "hintere Hochwuhr" genannt. "Rotes Tor" deshalb, weil die Mauersteine eine rötliche Farbe aufweisen.

Dieses Wuhr entstand im Jahre 1845, als die damalige Baumwollspinnerei eine hochgelegene Wasserfassung schuf, um mit dem Nutzgefälle eine Turnbine zu betreiben.

Vom Hochwuhr wird das Wasser auch heute noch in einem Fabrikskanal hoch über dem Bachbett teilweise durch Felsen, aber auch über eine kleine Schlucht geführt, um kurz vor der Fabrik in einem Druckrohr steil abfallend dann die Turbinen anzutreiben.


  Entlang des Fabrikskanales befand sich ein Weg – gehauen in Fels, aus der Flanke des Berges gesprengt oder als Brettersteg auf aufgemauerten Stützen hoch oben in der Schlucht geführt – notwendig zur Wartung des Kanales, zur Reinigung des Einlaufes des Kanales beim Roten Tor, zur Entfernung von Verklausungen bei Hochwasser.

Der Niedergang der Textilindustrie führte auch dazu, daß die Anlagen nicht mehr jene pflegliche Behandlung bekamen, wie vordem. Die Übernahme des Gebäudes, vor allem wegen des Kraftwerkes, durch neue Besitzer brachte zwar wieder Leben in das schöne Industriegbäude des 19. Jahrhunderts, leider unterblieb die Instandsetzung des Weges zum Roten Tor, sodaß dieser nunmehr weitgehend zerfallen, durch Rutschungen verlegt und in Teilbereichen nur noch als Fragmente der Stützmauern vorhanden ist.

Dabei ist ein Spaziergang zum "Roten Tor“" ein Gang in eine andere Welt, nur wenige Schritte vom pulsierenden Rankweil entfernt, bietet sich ein Schauspiel besonderer Art, sowohl im Sommer, wie auch im Winter.

Die hoch aufragenden Felswände zeigen in den verschiedenen Gesteinsschichten die Entstehung unserer Berge, das bei Niedrigwasser gut begehbare Bachbett ist im vorderen Teil gerade im Sommer Erholungs- und Badeplatz für Familien mit Kindern.


  Im hinteren Teil, kurz vor dem Roten Tor, befinden sich oberhalb der Felswände Quellen, deren Wasser dauernd über die Wände sickern. Die Zusammensetzung des Gesteins führte dazu, daß sich eine schöne, hoch aufragende Wand aus Tuffstein bilden konnte, ein faszinierender Anblick.

Kurz danach das hintere Hochwuhr, das hoch aufragende "Rote Tor", je nach Wasserführung ist der Wasserfall, der sich dort bildet, mehr oder weniger stark.

Ein imposantes Bild, vor allem, wenn man nun, in Ermangelung des Weges, die letzen Meter über die schiefen Gesteinsplatten hinaufsteigt und, oben auf der Mauerkrone angelangt, sich das Bild des letzten Teiles der "Übleschlucht" bietet.


Wieder zurück, am "vorderen Hochwuhr" vorbei, das gut von der Batschuner Brücke aus sichtbar ist, gelangt man zur alten Baumwollspinnerei, die heute ein Gewerbepark ist.

Unmittelbar dahinter ist   das alte Triftgelände.

Es ist dies das letzte noch erhaltene Triftgelände Vorarlbergs, wo in einem ausgeklügelten System früher das geflözte Holz aufgefangen und sortiert wurde, und sozusagen nebenbei das mit der Kraft des Wassers geführte Geschiebe, Steine, Schotter und Sand, ebenfalls sortiert und in weiterer Folge einer Verwertung zugeführt wurde.


  Vor einigen Jahren wurde das Triftgelände durch die Marktgemeinde Rankweil saniert und vor allem durch einen eigenen „Flözerpfad“ Interessierten zugänglich gemacht, die nun auf Schautafeln sich über dieses vergangene Stück Arbeitswelt informieren können.


  Von besonderer Schönheit ist der Gang zum "Roten Tor" im Winter, noch einsamer ist es dann in der Schlucht, noch weltferner.

Die hohe Tuffsteinwand hat ihr Bild nun gewandelt – sie ist eine riesige Eiswand geworden, an der ab und zu wagemutige Eiskletterer zu beobachten sind.

Und auch sonst ist allenthalben Eis in bizarren Formationen zu bewundern. Das, was im Sommer hurtig über Felsen rinnt, hat nun künstlerisch anmutende Formen angenommen.

Und das Eis hält sich lange – dringt doch in den Wintermonaten kaum ein Sonnenstrahl in die Schlucht, ist sogar der Wasserfall wie erstarrt und festgefroren.

Nachwort
 

Der Weg zum Roten Tor ist kein langer Weg, nicht weit entfernt und doch: ein Weg in eine andere Welt.

Das Wasser ist hier in seinen vielfältigsten Formen zu erleben, gezähmt als Energiespender für die Wirtschaft, wildkräftig als Transportmittel für das Holz, als Eis im Winter als Teil einer bizarren Landschaft.

Es wäre schön, wenn die Wiederherstellung des Weges in sanfter Form, zurückhaltend und angepasst, mehr Menschen dieses Erlebnis zugänglich machen würde, ohne daß es allerdings zu einer Übernutzung kommt. Eine Gratwanderung, die machbar wäre sie erfordert behutsames Herangehen an das Rote Tor.

© 2003 Fotos und Text:

Hans Kohler, Bürgermeister

Marktgemeinde Rankweil

hans.kohler@rankweil.at

www.rankweil.at

www.hans-kohler.at

26.05.2003 Thomas Ender, Marktgemeinde Rankweil

Das ist eine Mirrorseite für das Portal dein allgäu . Ich bedanke mich für die freundliche Überlassung der Informationen.

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