In Oberstdorf kann jeder zum Himmelsstürmer werden

Große Sprünge können Mutige in Oberstdorf im Oberallgäu machen. In der Erdinger Arena am Schattenberg, dort wo sonst beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee die deutschen Skisprung-Asse Michael Uhrmann, Martin Schmitt und Georg Späth anmutig durch die Lüfte segeln, kann auch Otto-Normal-Sportler innerhalb eines Tages das Skispringen lernen. Im Durchschnitt springen die Leute 15 Meter weit, sagt Martin Auer, Leiter des Skisprungkurses.Ein wenig Überwindung kostet der erste Sprung die angehenden Himmelsstürmer schon. Noch liegen rund 60 Meter zwischen Balken und Schanzentisch, der mit einer Höhe von etwa 30 Zentimetern gerade mal der Länge eines Lineals entspricht. Dass auf der 20-Meter-Schanze, in Springerkreisen K-20 genannt, in der Regel schon sechsjährige Kinder ihre ersten Sprünge absolvieren, macht Mut und spornt die Teilnehmer an. Jetzt!, ruft Max Bolkart vom Skiclub Oberstdorf, der rechts neben dem Schanzentisch steht und ab und zu als Co-Trainer bei den Kursen mit dabei ist


Sobald es annähernd windstill ist, senkt der ehemalige Skisprungprofi seinen angehobenen rechten Arm - für den angehenden Skisprungkollegen das mit Spannung erwartete Zeichen. Mit Schwung stößt sich Teilnehmer Roland aus München zuerst vom Metallbalken und einen kurzen Augenblick später vom Schanzentisch ab. 17 Meter, sehr gut, ruft der 74-jährige Bolkart nach einer Bilderbuchlandung. Im Gesichtsausdruck des ehemaligen Olympia-Vierten von 1956 und Gesamtsieger der Vierschanzentournee 1960 sowie viermaligen deutschen Meister im Skispringen spiegelt sich Anerkennung für den Anfänger.

Roland hat derweil das Skisprungfieber gepackt. Die abgeschnallten Skier über die rechte Schulter gelegt, geht er erneut viele Stufen zur K-20-Schanze hinauf, wo noch fünf weitere Kursteilnehmer auf ihren ersten Sprung warten.Gefühlte hundert Meter, will Teilnehmer Olaf aus Heilbronn nach seiner Premiere gesprungen sein. In Wirklichkeit waren es wohl deutlich weniger, aber das interessiert hier keinen wirklich. Im
Vordergrund steht der Spaß, sagt Kursleiter Martin Auer, der in seinen besten Zeiten bis zu 168 Meter weit geflogen ist - natürlich von einer größeren Schanze.


Damit der Spaß nicht durch eine schmerzhafte Bruchlandung getrübt wird, bereitet Auer die angehenden Adler vor ihrem ersten Sprung gründlich auf die entscheidenden Momente auf der K-20-Schanze vor: Nach dem Aufwärmtraining und bevor man sich in die Lüfte schwingt, lernt man am Boden die Grundfertigkeiten beim Skisprung, wie Anfahrtshaltung, Steuerung und Körperhaltung im Flug. Danach proben die Teilnehmer ihren ersten Sprung auf einem imaginären Schanzentisch. Zwei rote Plastikschildchen auf dem Hang markieren den Absprungpunkt.
Etwa 150 Teilnehmer haben bisher an unserem Skisprung-Workshop teilgenommen, berichtet Auer. Pro Person kostet der Kurs 150 Euro. Skischuhe, Skier, Helm und ein original Wettkampflaibchen werden vom Veranstalter, der Impulscompany, zur Verfügung gestellt. Gesprungen wird das ganze Jahre. Wenn kein Schnee liegt, springen und landen die Adler auf Matten.

Bisher ist noch nie ein Unfall passiert, sagt Auer. Letztlich trennen die Springer auch lediglich 30 bis 40 Zentimeter vom Boden. Im Vergleich zu Max Bolkart und seiner Springer-Generation wenig: Wir waren damals bis zu zwölf Meter in der Luft. Diese und weitere interessante Gesichten über die tollkühnen Springer gibt es beim Kurs gratis dazu. Die nächsten Termine sind am 15. Juli und 26. August. Für Gruppen ab fünf Personen gibt es weitere Termine auf Anfrage.

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Alexander Hauk
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zuletzt geändert: 06/04/2006