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Kunstbahn und Naturbahn Rodler im Zwist - eine Erläuterung aus Österreich

Der Naturbahnrodel-Rennsport kämpft schon seit geraumer Zeit um die Aufnahme ins Olympia-Programm, doch anscheinend arbeiten viele Funktionäre aus Angst, der Naturbahnsport könnte sich negativ auf den Kunstbahnrodelsport auswirken und die Show stehlen, mit allen Kräften dagegen. Aus finanzieller Hinsicht steht der Rennsport nun kurz vor dem Aus, der Sponsor RedBull ist abgesprungen und die finanzielle Unterstützung seitens der einzelnen Verbände vermindert sich von Jahr zu Jahr. Vereine, die ein attraktives Rennen mit vielen Zuschauern auszutragen bereit sind (z.B. Aurach in Österreich, Latzfons in Südtirol usw.) stehen nun durch die mangelnde Medienpräsenz (vor allem im TV) teilweise vor unlösbaren Aufgaben, Rennen wie in Olang in Südtirol, wo die Zuschauer an den Händen abzählbar sind, sind die Folge.

Rodel-Rennsport abseits des Eiskanals Naturbahnrodeln steht aus sportlicher Sicht immer noch im Schatten der Kunstbahn-Variante. Zu Unrecht, denn das Rodeln auf Naturbahnen ist mindestens genauso spannend, rasant und spektakulär wie die bekanntere Schwesternsportart.

Der größte Unterschied besteht darin, dass die Kunstbahn-Rodler in einer modernen, künstlich angelegten Kanalrinne mit stark überhöhten Kurven fahren. Das Kunsteis wird zudem durch Kühlanlagen präpariert und konserviert. Beim Naturbahnrodeln wurden in der Vergangenheit häufig Forstwege oder andere straßenähnliche Anlagen als Rennuntergrund benutzt. Zwar wird heute die Strecke ebenfalls künstlich präpariert, aber im Wesentlichen nur durch das Komprimieren und Vereisen des Schnees ohne große technische Hilfsmittel.

Dadurch ist die Bahn viel unruhiger: Es gibt ständig kleine Buckel, Dellen und andere Unebenheiten, die den Fahrer gehörig durchschütteln. Die Kurven sind zudem nur wenig oder gar nicht überhöht. Des Weiteren verwenden die Rodler zum Lenken neben den Beinen auch ihre Arme, was der Fahrt zumindest optisch eine Spur mehr Action verleiht. Auf der Naturbahn werden dabei Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern erreicht.

Rodelwettfahrten auf Bergstraßen, Waldwegen und Wiesen erfreuten sich bereits vor mehr als 100 Jahren in den Alpen, Skandinavien und auch Nordamerika großer Beliebtheit. Damals wurde aber noch auf reinen Schneebahnen gefahren. 1883 fand im Schweizerischen Davos das erste internationale Rodelrennen statt. Die Entwicklung von Kunst- und Naturbahnrodeln verlief zunächst parallel. Bis in die Sechziger Jahre des 20. Jahrhundert rauschten Rodelsportler auf beiden Bahnen ins Tal hinunter.

1964 wurde der Kunstbahnsport in Innsbruck jedoch olympisch, von da an gingen beide Disziplinen getrennte Wege. Die erste Naturbahn-EM fand 1970 in Kapfenberg statt, neun Jahre später die erste WM in Inzing. Auch einen Gesamt-Weltcup gibt es mittlerweile. Saison-Höhepunkt im heurigen Winter war die EM ab 28. Jänner 2006 in Umhausen im Ötztal. Hier gibt es Medaillen im Damen- und Herren-Einsitzer sowie im Herren-Doppelsitzer. Österreichs-Naturbahnrodel-Legende, der 39-jährige Gerhard Pilz (vielfacher Welt- und Europameister aus Oberösterreich), war auch dieses Mal trotz Verletzung dabei, aus Liebe zum Rodelsport und "weil er es dem Veranstalter mit seiner tollen Leistung schuldig war".

Während die Kunstbahnsportler bei allen großen Events dabei sind und medial umfassend abgefeiert werden, fristen ihre Kollegen auf der Naturbahn vergleichsweise ein Mauerblümchen-Dasein. Auch gibt es nur wenige Nationen, die ganz vorn mitmischen. Die führenden Länder sind Italien und Österreich, aber auch Polen und Russen haben sich zuletzt einen Namen gemacht. Auch aus den Olympia-Träumen wird vorerst nichts, die Aufnahme ins Olympia-Programm von Vancouver 2010 wurde den Naturbahnrodlern vom Internationalen Olympischen Komitee verweigert.Gründe dafür seien lt. FIL die mangelnde Präsenz der Nationen (dies liegt aber bekanntlich nur in den Händen der FIL, die für die Aufnahme von neuen Nationen und deren finanzielle Unterstützung zuständig wäre) und die wohl lächerlichste Aussage - der Naturbahnrodelsport wäre zu teuer!!! (im Vergleich zum Kunstbahnrodeln wohl eine Utopie). Das Budget für eine Olympia-Naturrodelbahn in Vancouver wurde dabei von den jeweiligen Gremien bewusst viel zu hoch angesetzt. Stattdessen setzt man in der FIL alles daran, die Mannschaftswertung im Kunstbahnrodeln olympisch zu machen, hätte da nicht der Naturbahnrodelsport erstmals Vorrang? Die FIL hat sich sicherlich seit den späten 90er-Jahren verstärkt und mit größerem Engagement bemüht, aber die Möglichkeiten wurden bei weitem nicht ausgeschöpft, die Hintergründe der beiden Olympiaabsagen (TURIN 2006 UND VANCOUVER 2010) drangen nur waage in die Presse und die darauffolgende Kritik der FIL wurde teilweise mit der Androhung von rechtlichen Schritten beantwortet. Vor allem deutsche Funktionäre arbeiten gegen den Naturbahnsport, wohl durch die Tatsache, dass die meisten Kunstbahnen der Welt in Deutschland liegen und diese Personen eine Beeinträchtigung befürchten. Deutsche und Schweizer Naturbahnrodler leiden unter diesen Umständen.

Infos unter www.rodel-austria.at

Helmut Gamper 05.02.2006

Regeln für einen ungetrübten Rodelspass

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