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Schloss Kronburg
Auf Schloss Kronburg gibt es keine Gespenster. Höchstens vielleicht wenn meine Frau nachts durch das Schloss schleicht, scherzt Theodor Freiherr von Vequel-Westernach. Der Baron ist Eigentümer eines der schönsten Renaissanceschlösser Bayerns. Zusammen mit seiner Frau Ulrike und den beiden Kindern Maximilian und Carolin wohnt er auf Schloss Kronburg, das am Rande des Unterallgäus malerisch auf einer Anhöhe über dem idyllischen Illerwinkel thront. Die Gemeinde Kronburg liegt rund zehn Kilometer südwestlich von Memmingen auf einer Schottererhebung und zählt heute etwa 1700 Einwohner. Der Ort ist aus der gleichnamigen Herrschaft hervorgegangen. Das Schloss, heute Sitz des Adelsgeschlechts Vequel-Westernach, steht auf einem eiszeitlichen Moränenhügel und überragt die Umgebung. Man könnte ableiten, das Schloss sitzt wie eine Krone auf dem bewaldeten Hügel, aber der Name entwickelte sich aus der ursprünglichen Bezeichnung Burg im Grünen, berichtet Theodor Freiherr von Vequel-Westernach.
Eine Schutzurkunde für das Kloster Irsee nennt 1227 erstmals den Namen Kronburg. Wahrscheinlich entstand die Burg um 1200 unter Kaiser Heinrich VI. als staufischer Ministerialsitz. Unter den Herren Rechberg wurde sie von 1490 bis 1536 zum großen Teil neu gebaut. „Nachdem die Eigentümer mehrmals gewechselt hatten, ist die Anlage seit 1619 im Besitz des Geschlechts Westernach“, erzählt der Baron. Damals war die Kronburg als habsburgisches Lehen an Johann Eustach von Westernach gekommen, der Hochmeister des Deutschen Ritterordens war. Der Adelige galt als cleverer Mann seiner Zeit, der nicht nur für seinen Orden Beachtliches vollbrachte, sondern auch in der Weltpolitik einiges bewegte.

Römische Münzen

Durch den breiten, mächtigen Torbogen kommen Hausbewohner und Besucher in den Innenhof der imposanten Renaissance-Anlage. Hier zeigt der Baron gern die im Mauerwerk versteckten Reste eines quadratischen Burgus, eines römischen Beobachtungspostens: Wahrscheinlich hielten römische Wachsoldaten von hier aus schon vor rund 1600 Jahren Ausschau über das Allgäuer Voralpenland, wie zwei römische Münzen belegen, die bei Kanalisationsarbeiten 1894 im Schlosshof gefunden wurden.

Von den insgesamt 100 Räumen, werden von der Familie zehn im Südtrakt bewohnt. Der Blick von der Bibliothek auf die Illerniederung vermittelt selbst bei schlechtem Wetter den Eindruck, als habe man ein Gemälde vor sich. Bei föhnigem Himmel reicht er bis zu den Bergen zwischen Zugspitze und Säntis, erzählt der Hausherr. Bemerkenswert ist der Deutschmeistersaal mit seinen Stuckaturen und einem Deckengemälde, das die vier weltlichen Tugenden zeigt. Ein weiteres Kunstwerk von Bedeutung ist ein mächtiger Ulmer Barockschrank mit gedrechselten Säulen. Der Rote Saal befindet sich im Südflügel. Besonders sehenswert ist die Holzdecke mit Arabeskenmalereien aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Wärme spendete früher ein prächtiger, zweigeschossiger Prunkofen mit gusseisernem Unterbau von 1699. Seine Stirnpalette ziert das Westernachsche Wappen. Wissen Sie, woher der Spruch über jemanden den Stab brechen kommt?, möchte der Schlossherr bei seiner Führung wissen und nimmt einen alten, zerbrochenen schwarzen Holzstab in die Hand. Der Stab wurde im Jahr 1738 über den Bruder des Dorflehrers gebrochen, weil dieser sich an Schulbuben sexuell vergangen hatte. Wäre er nicht auseinander gebrochen, wäre dies als Gottesurteil gedeutet worden und der Täter hätte nicht mehr zum Tode verurteilt werden dürfen. Der Delinquent starb im November 1738 durch das Schwert.

Auf Schloss Kronburg erleben Besucher Geschichte pur: Baron und Baronin von Vequel-Westernach führen persönlich durch die Räume des Schlossmuseums, die mit originalen Möbeln aus der Zeit des 16. bis 19. Jahrhunderts eingerichtet sind. Sie erzählen anschaulich aus der wechselvollen Geschichte der Kronburg und wissen viel über das Inventar.
Im Ostflügel bekommen Besucher unter anderem drei Räume mit von Hand bedruckten und bemalten Leinwandtapeten aus dem 18. Jahrhundert zu sehen.

Brandhand aus dem Jenseits

Unbehagen erzeugt bei so manchen Besuchern auch ein uraltes Stückchen Stoff mit einer eingebrannten Hand. Man sagt die Brandhand sei ein Zeichen aus dem Jenseits, berichtet Freiherr von Vequel-Westernach. Eine arme Seele im Fegefeuer bitte darum, dass für sie gebetet werde.

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Einige der Räume können für Feste aller Art angemietet werden. Damit hat sich die Familie ein weiteres wirtschaftliches Standbein erschlossen, denn längst geben die traditionellen Einnahmen aus der Forstwirtschaft und der Verpachtung der Wiesen an Landwirte nicht mehr das Geld her, dass für die Instandhaltung des Schlosses notwendig wäre.


Zum Schloss gehört auch eine Kapelle mit bemerkenswertem Stuck aus der Zeit um 1720. Hochzeitspaare können in der Schlosskapelle ihren gemeinsamen Lebensweg beginnen.

Seit 1997 Hoteliers

Um die Substanz zu erhalten musste der Baron zuletzt zwei Millionen Euro investieren. Nach eigenen Angaben fühlte er sich wie der arme Poet im gleichnamigen Gemälde: An 40 Stellen hat es durch das Schlossdach geregnet. Ein Dienstmädchen oder einen Hausmeister gibt es auf dem Schloss schon lange nicht mehr, die Familie ist sich nicht zu vornehm, bei allen Arbeiten in Haushalt, Garten oder Wald selbst mit Hand anzulegen. Seit 1997 sind Baron und Baronin von Vequel-Westernach auch Hoteliers. Am Fuße des Schlosses entstand das dritte wirtschaftliche Standbein, ein Gästehaus mit 12 exklusiven Appartements, das im vergangenen Jahr mit vier Sternen ausgezeichnet wurde. Die strategisch günstige Lage der Kronburg brachte es mit sich, dass das Schloss oftmals kriegerische Zeiten überstehen musste. Heute führt der Schlossherr mit seiner Familie einen ständigen Kampf gegen den langsamen Zerfall der wunderschönen Renaissance-Anlage. Unbeeindruckt davon recken sich die vier Ecktürme in den Allgäuer Himmel. Wir möchten, dass unsere Kinder die Traditionen unserer Familie fortführen, sagt Theodor Freiherr von Vequel-Westernach.

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Alexander Hauk
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zuletzt geändert: 07/08/2010